Deutschland – Spanien 0:1 (0:0)
Der deutsche Traum vom vierten WM-Titel ist geplatzt! Im Halbfinale gegen Spanien konnten die Mannschaft von Jogi Löw nicht an die Leistungen der vergangenen Partien anknüpfen und verlor durch einen wuchtigen Kopfball von Carles Puyol (73.) nach einer Ecke von Xavi mit 0:1. Der bärenstarke Europameister dominierte über weite Strecken die Begegnung, die DFB-Elf wirkte hingegen mutlos und gehemmt und erarbeitete sich kaum Torszenen. Während bei der spanischen Auswahl, die nun im ersten WM-Finale ihrer Geschichte auf die Niederlande trifft, der Jubel grenzenlos war, saß der Frust bei den deutschen Spielern natürlich tief: „Es ist bitter, wenn man im Halbfinale ausscheidet. Die Enttäuschung ist sehr groß. Wir hatten uns heute sehr viel vorgenommen, aber es ist uns nicht gelungen“, sagte Mannschaftskapitän Philipp Lahm – sichtlich mitgenommen – nach der Partie.
Die Spanier hatten vor 60.960 Zuschauern im restlos ausverkauften Moses-Mabhida-Stadion von Durban das Spiel von Beginn an im Griff, ließen den Ball mit ihrem gefürchteten Kurzpassspiel zirkulieren und erarbeiteten sich schon nach wenigen Minuten die ersten gefährliche Torchancen. Zunächst steckte Pedro wunderschön auf David Villa durch, doch der spanische Top-Torschütze scheiterte am aufmerksamen Manuel Neuer (6.) – wenig später zielte Carles Puyol nach einer scharfen Flanke von Iniesta ein wenig zu hoch (14.).
Die deutsche Elf war im Vergleich zu den Spielen gegen England und Argentinien nicht wieder zu erkennen – sie spielte defensiv, geradezu ängstlich, zog sich tief in die eigene Hälfte zurück und hatte eigentlich nur eine „echte“ Tormöglichkeit in Hälfte eins, als Piotr , Trochowski, der auf der rechten Außenbahn für den gesperrten Müller in die Mannschaft gekommen war, aus gut 25 Metern abzog und Iker Casillas zu einer Glanztat zwang. Kurz vor der Pause dann noch ein kleiner Aufreger: Klose hatte Özil schön am Strafraum bedient, Sergio Ramos lief dem Bremer in die Hacken, doch der Elfmeterpfiff blieb des ungarischen Schiedsrichters Viktor Kassai blieb aus.
Nach der Halbzeit das gleiche Bild: Spanien hoch überlegen, Deutschland mit Glück und Geschick verteidigend. Der Europameister versuchte es nun vermehrt aus der Distanz, doch bei den Weitschüssen von Xabi Alonso (48., 50.) und Pedro (59.) war Neuer auf der Hut. Dennoch wäre aus einem dieser Versuche aus der zweiten Reihe beinahe das 1:0 für die Spanier entstanden, denn nach dem abgewehrten Pedro-Schuss brachte Iniesta den Ball von der linken Seite flach und scharf zurück in die Mitte, doch Villa rutschte am langen Pfosten um Zentimeter am Ball vorbei.
Auf der Gegenseite spielte die deutsche Mannschaft endlich einmal den zuvor so hoch gelobten, schnellen, genauen und zielstrebigen Fußball und bekam prompt die Riesenchance zur Führung: Mesut Özil passte auf Podolski, dieser bediente Toni Kross mustergültig am langen Pfosten, doch der Youngster scheiterte mit seiner Direktabnahme an Iker Casillas (69.).
Wie so oft entschied am Ende eine Standardsituation das Halbfinale von Durban. In der 73. Minute stimmte die Zuordnung in der deutschen Defensive nach einer Xavi-Ecke nicht, Carles Puyol schraubte sich freistehend nach oben und hämmerte den Ball per Kopf in die Maschen.
Die Löw-Truppe musste jetzt reagieren, mit Gomez wurde die Offensive verstärkt und man versuchte die Spanier unter Druck zu setzen – das trotzdem keine einzige hundertprozentige Torchance für die Deutschen heraussprang, war bezeichnend für ihr Spiel an diesem Abend.
Die von Vicente del Bosque hervorragend eingestellten Iberer kamen auf der Gegenseite dagegen fast noch zum 2:0, doch der eigensinnige Pedro vertändelte den Ball, anstatt auf den mitgelaufenen Fernando Torres zu passen. Dennoch reichte es am Ende zu einem hoch verdienten Sieg der Spanier, auf die im Finale nun die holländische Auswahl wartet.
Die Niederländer um die Bayern-Stars Arjen Robben und Mark van Bommel hatten bereits am Dienstagabend Uruguay mit 3:2-(1:1) besiegt und stehen damit nach 1974 und 1978 schon zum dritten Mal in einem WM-Endspiel –wie die Iberer warten sie jedoch noch auf ihren ersten Weltmeistertitel. Die tief enttäuschte deutsche Auswahl muss – wie vor vier Jahren bei der WM im eigenen Land – das undankbare „kleine Finale“ um Platz drei bestreiten. Anpfiff in Port Elizabeth ist am Samstag um 20.30 Uhr, der Gegner ist die Überraschungsmannschaft aus Uruguay.
Aufstellung Deutschland: Neuer, Lahm, Friedrich, Mertesacker, J. Boateng (ab 52. Jansen), Khedira (ab 80. Gomez), Schweinsteiger, Trochowski (ab 62. Kroos), Özil, Podolski, Klose
Aufstellung Spanien: Casillas, Ramos, Pique, Puyol, Capdevila, Busquets, Xabi Alonso (ab 93. Marchena), Pedro (ab 85. Silva), Xavi, Iniesta, Villa (ab 81. Torres)
Tor: 0:1 Puyol (73.)