Fussball WM in den Jahren 1994 bis 2010
Frankreich (1998)
Für die sechzehnte Fußballweltmeisterschaft in Frankreich gab es erneut eine Änderung des Turniermodus – zur Aufwertung der Kontinentalverbände Afrikas und Asiens spielten statt bisher 24 nun sogar 32 Mannschaften bei der Endrunde mit. Mit Jamaika, Japan, Kroatien, Südafrika und der „BR Jugoslawien“ schafften es fünf Neulinge ins Teilnehmerfeld und die Nominierung von Lothar Matthäus machte diesen zum ersten Feldspieler, der in fünf WM-Endrunden eingesetzt wurde.
Die deutsche Nationalmannschaft enttäuschte erneut, quälte sich bereits durch Vorrunde sowie Achtelfinale und schied im Viertelfinale sang- und klanglos mit 0:3 gegen das Überraschungsteam aus Kroatien aus. Wieder einmal waren es andere Fußball-Nationen, die dem Turnier ihren Stempel aufdrückten: Brasilien besiegte in einem packenden Halbfinal-Duell die Niederlande mit 4:2 – in dem anderen Semifinale setzte sich Gastgeber Frankreich mit 2:1 gegen starke Kroaten durch. Dabei spielte sich vor allem ein Akteur in die Herzen der Massen: Zinedine Zidane. Der Franzose entschied auch das Finale fast im Alleingang – er steuerte im Endspiel vor 74.000 Zuschauern im Stade de France in Paris zwei Tore zum eindrucksvollen Erfolg der „Équipe tricolore“ bei und stürzte ein ganzes Land in Ekstase. Top-Torjäger des Turniers war der Kroate Davor Šuker mit sechs Treffern.
Japan / Südkorea (2002)
Mit der siebzehnten Fußballweltmeisterschaft vom 31.05. bis 30.06.2002 in Japan und Südkorea wurde in doppelter Hinsicht Neuland betreten: Einerseits war es die erste WM auf asiatischem Boden, andererseits das erste Mal, dass zwei Länder als Gastgeber fungierten. Unter den 198 Nationen, die in der Qualifikation gestartet waren, setzten sich mit China, Ecuador, Senegal und Slowenien vier Mannschaften durch, die noch nie bei einer WM-Endrunde vertreten waren.
Deutschland hatte das Turnier mit einem 8:0-Schützenfest gegen Saudi-Arabien begonnen und holte sich mit einem Unentschieden gegen Irland und einem Sieg gegen Kamerun den Gruppensieg. Mit wenig Glanz und typischen deutschen Tugenden schaffte es die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler sensationell sogar bis ins Finale: Im Achtelfinale bezwang man Paraguay, im Viertelfinale die USA und im Halbfinale schließlich die Südkoreaner – alle Spiele endeten 1:0! Ebenso überraschen konnten die Gastgeber Japan (Achtelfinale), Südkorea (Halbfinale) sowie die Türkei (Halbfinale). Das größte sportliche Fiasko erlebte hingegen Frankreich – der Titelverteidiger schied ohne Treffer in der Vorrunde aus.
Im Finale traf Deutschland auf Brasilien und der „Überirdische“ Oliver Kahn, Top-Star dieser Endrunde, machte den wohl schlimmsten Fehler seiner Kariere, der das 1:0 durch Ronaldo zur Folge hatte. Nach einem Konter in der Schlussphase markierte der Stürmer sein zweites Endspiel-Tor und sicherte sich mit acht Turniertreffern die Torjägerkanone.
Deutschland (2006)
Vom 9.06. bis 9.07.2006 wurde die Weltmeisterschaft zum zweiten Mal nach 1974 in Deutschland ausgetragen. Von den 197 Verbänden, die in Qualifikation gestartet waren, konnten sich erneut zahlreiche Nationalmannschaften durchsetzen, die noch nie an einer WM-Endrunde teilgenommen hatten: Angola, die Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Tschechien, Trinidad und Tobago, Serbien-Montenegro und die Ukraine.
Die deutsche Elf, die jetzt von Jürgen Klinsmann betreut wurde, präsentierte sich offensiver denn je und entfachte im eigenen Land einen Sturm der Begeisterung, der auch durch die unglückliche Halbfinal-Niederlage gegen Italien nicht zu stoppen war. Nach dem 3:1 im „kleinen Finale“ gegen Portugal wurde die Nationalmannschaft gefeiert wie ein Weltmeister. Weniger positiv lief es bei den Brasilianern, die arrogant und kraftlos wirkten. Sie scheiterten im Viertelfinale an Frankreich – auch für England und Argentinien war da bereits Endstation – Spanien und die Niederlande kamen nicht über das Achtelfinale hinaus.
Im Finale standen mit Frankreich und Italien zwei Teams, die nicht unbedingt zu den Top-Favoriten gezählt hatten – nach dem 1:1 n.V. sowie einer Roten Karte gegen WM-Super-Star Zinedine Zidane setzte sich die „Squadra Azzurra“ am Ende glücklich im Elfmeterschießen durch. Der Deutsche Miroslav Klose holte sich mit fünf Treffern die Torjägerkanone.
Fussball-WM in den Jahren 1994 bis 2006
Die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent fand vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 in Südafrika statt. Erneut wurde mit 200 für die Qualifikation gemeldeten Nationalmannschaften ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt – unter den 32 Mannschaften, die es in die Endrunde schafften, feierten Serbien und die Slowakei als eigenständige Verbände ihre WM-Premiere.
Die deutsche Mannschaft trumpfte auch ohne ihren verletzten Mannschaftskapitän Michael Ballack mit begeisterndem und erfolgreichem Fußball auf. Nach dem Traumauftakt gegen Australien (4:0) und dem „Stolperer“ gegen Serbien (0:1), besiegten die Schützlinge von Joachim Löw Ghana (1:0), England (4:1) und Argentinien (4:0) – erst im Halbfinale war für die junge deutsche Truppe gegen spielstarke und clevere Spanier Endstation. Katastrophal verlief die WM hingegen für Titelverteidiger Italien und Frankreich – beide scheiterten als Gruppenletzter bereits in der Vorrunde. Auch England, Portugal (beide Achtelfinale) sowie die Titelkandidaten aus Brasilien und Argentinien (beide Viertelfinale) blieben weit hinter den Erwartungen zurück.
Auch die afrikanischen Teams schnitten insgesamt enttäuschend ab. Lediglich Ghana überstand die Vorrunde und verpasste den Einzug ins Halbfinale im Elfmeterschießen gegen Uruguay nur denkbar knapp.
Das Finale bestritten schließlich die Niederlanden, die zuvor jede Partie gewonnen hatten, und Spanien, das sich im Verlauf der WM immer mehr gesteigert hatte. In einem umkämpften Spiel erlöste Andres Iniesta die spanische Mannschaft kurz vor Ende der Verlängerung – das 1:0 in der 116. Minute bedeutete den ersten WM-Titel für die von Vicente del Bosque trainierten Iberer. Die Überraschungsmannschaft aus Uruguay hatte sich zuvor im „kleinen Finale“ der deutschen Auswahl mir 2:3 geschlagen geben müssen – mit Diego Forlán holte ihr Kapitän jedoch den Goldenen Schuh als bester Spieler des Turniers. Sensationell sicherte sich der Deutsche Thomas Müller nicht nur die Auszeichnung zum besten Nachwuchsspieler der WM, sondern mit fünf Treffern auch den Titel des Torschützenkönigs.