Die Anfänge der Fussball WM
Die WM wird aus der Taufe gehoben
Der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Uruguay waren jahrelange Streitigkeiten vorausgegangen. Zwar war durch die Bildung zahlreicher nationaler Fußballverbände bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert die Austragung internationaler Ländervergleiche ermöglicht und mit der Gründung des Weltfußballverbandes FIFA 1904 eine Dachorganisation geschaffen worden, doch scheiterte die Durchführung einer Weltmeisterschaft immer wieder an weltpolitischen Ereignissen oder den Befindlichkeiten der Nationalverbände.
Bereits auf dem ersten Kongress des Weltfußballverbandes 1905 hatte der damalige Vizepräsident der FIFA, Wilhelm Hirschmann, seine Idee eines „Weltturniers“ vorgestellt – als Austragungsort war die Schweiz vorgesehen. Die Teilnehmer der Veranstaltung schwankten zwischen Begeisterung, Desinteresse und offener Ablehnung – die Tatsache, dass der Fußball in vielen Teilen Europas immer noch als „Rabaukensport“ verpönt war, trug ihr Übriges dazu bei.
So wurde zunächst die Bühne der Olympischen Spiele genutzt, um die ersten internationalen Fußballturniere – als eine Art „Ersatz-WM“ – durchzuführen. Bereits 1900 war der Fußball ins olympische Programm aufgenommen worden, doch erst durch die Vergabe der Spiele an das Mutterland des Fußballs (London 1908) gewann er innerhalb dieses großen Sportereignisses an Bedeutung. Die Zahl der teilnehmenden Nationen stieg nun stetig an und 1924 in Paris waren unter den 22 Ländern erstmals auch Auswahlmannschaften Afrikas (Ägypten) und Südamerikas (Uruguay) vertreten. Deshalb gilt diese Olympiade auch als das erste wirkliche Fußball-Weltturnier. Der überzeugende Auftritt der bis dahin völlig unbekannten „Urus“ fachte das Fußballfieber in Europa weiter an und es folgten zahlreiche Gastauftritte südamerikanischer Länder in Europa. 1928 nahmen mit Argentinien, Chile und Uruguay bereits drei Auswahlmannschaften Südamerikas am olympischen Turnier teil.
Verschiedene Faktoren waren letztlich maßgeblich für die Ausrichtung der ersten „wahren“ Fußball-Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay: Als „Vater der WM“ gilt der Franzose Jules Rimet, der seit seiner Wahl zum FIFA-Präsidentschaft (1921) nicht nur die Strukturen des Weltverbandes gestärkt, sondern auch die Idee eines Weltfußballturniers forcierte. Zwar hatte der Fußball im Rahmen der olympischen Spiele eine riesige Popularität erlangt, doch die Tatsache, dass Teilnehmer Amateure sein mussten, führte immer wieder zur Absage einiger wichtiger Länder. Um Probleme mit dem IOC zu vermeiden, entschied sie sich die FIFA am 28. Mai 1929 für die Organisation einer eigenständigen Weltmeisterschaft. Nach der Absage verschiedener Verbände Europas, erhielt schließlich Uruguay den Zuschlag. Das Land war zu diesem Zeitpunkt die überragende Fußballnation weltweit (Olympia-Gold 1924 und 1928) und somit ein würdiger Veranstalter, der zudem mit dem „Centenario-Stadion“ über die größte Fußballarena der Welt verfügte.