Südafrika Geschichte
Obwohl der portugiesische Seefahrer Bartholomeu Diaz bereits 1488 das „Kap der guten Hoffnung“ umschiffte und in Mossel Bay landete, gilt erst das Jahr 1652 als Beginn der modernen Geschichtsschreibung Südafrikas. Am 6. April betrat der Offizier der Holländisch-Indischen Handelskompanie (niederländisch: Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC), Jan van Riebeeck, in der Nähe des heutigen Kapstadt mit neunzig Pionieren das Land um an der strategisch wichtigen Stelle eine Versorgungsstation für Schiffe auf dem Weg nach Indien zu errichten. Nach und nach wurde das Gebiet besiedelt und es kam zu ersten Auseinandersetzungen mit den einheimischen Ureinwohnern, den San und Khoikhoi, die abwertend „Hottentotten“ genannt wurden. Zunächst breiteten sich die Siedler in der westlichen Kapregion aus – auf der Suche nach Farmland drangen die, zumeist niederländischen, Bauern jedoch immer weiter nach Osten vor.
Schon zu dieser Zeit holten sie Sklaven aus Madagaskar, Indonesien und Indien ins Land. Nachdem die holländischen Bauern um 1770 die Siedlungsgrenze der Bantu überschritten hatten, kam es zu zahlreichen blutigen Kriegen. Aufgrund der Schwäche und des schwindenden Einflusses der Niederlande besetzten 1797 Truppen des britischen Königreiches die Region um das Kap – vor allem, weil die strategisch bedeutende Zone nicht in die Hände der Franzosen fallen sollte. 1806 wurde hier dauerhaft eine Kronkolonie Großbritanniens errichtet, was zur Folge hatte, dass die niederländischen Bauern (Buren) – um dem Einfluss britischen Rechts zu entgehen und die Sklaverei und Ausbeutung fortzuführen – immer weiter nach Osten zogen. Während der Wanderung des so genannten „Großen Trecks“ (1835 bis 1841), dem mehr als 16.000 Buren angehört haben sollen, kam es nach gescheiterten Verhandlungen mit dem stolzen Volk der Zulu zu schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen die „Voortrekker“ gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Ureinwohner empfindliche Niederlagen einstecken mussten.
Als Wendepunkt gilt der 18. Dezember 1838: Eine Gruppe von Siedlern wurde von 15.000 Zulus umzingelt, ging jedoch siegreich und ohne Verluste aus den Kämpfen hervor, während 3.000 Zulus ihr Leben ließen. Angeblich interpretierten die Buren den Sieg am „Blood River“ als Zeichen Gottes, sahen sich als „auserwähltes Volk“ und leiteten später die Apartheidsgesetze davon ab. Die Voortrekker gründeten im Transvaal und Oranje-Freistaat ihre eigenen Republiken und leisteten im Ersten Burenkrieg (1880–1881) erfolgreich Widerstand gegen die Expansionsbestrebungen der Briten, die vor allem auf reiche Diamanten- und Goldvorkommen abzielten. Anschließend wurde Burenführer Paul Krüger erster Präsident von Transvaal, das jedoch unter britischer Oberhoheit blieb. Acht Jahre später starteten die Briten – diesmal besser vorbereitet – eine neue Offensive und besiegten im Zweiten Burenkrieg (1899-1902) die niederländischen Bauern, deren Siedlungen vernichtet wurden.
Nach zähen Jahren der Verhandlung vereinigten sich am 31. Mai 1910 die vier Kolonien – Transvaal, Oranje, Natal und die Kapkolonie – zur Südafrikanischen Union. Diese hatte eine gemeinsame Verfassung und Louis Botha wurde erster Premierminister des Landes. Trotz der Gründung des ANC (African National Congress), einer Vereinigung der Protest- und Bürgerrechtsbewegungen der Schwarzen, gelang es der weißen Minderheit auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges ihre Macht zu erhalten: 1948 gewann burische „National Party“ die Wahlen und führte eine Reihe von Gesetzen ein, die das Leben nach Hautfarben trennte und Bürgerrechte beschnitt – die bereits vorher praktizierte „Apartheid“ war damit auch konstitutionell festgeschrieben. In der Folge verloren Schwarze das Wahlrecht (1951), ihre Gewerkschaften (1953) sowie der ANC (1960) wurden verboten und friedliche Demonstrationen endeten oftmals in Massakern an der schwarzen Bevölkerung. Auch in den Folgejahren nahm die Repression weiter zu: 1964 wurden Nelson Mandela und sieben weitere schwarze Untergrundführer zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und 1976 führte die Erschießung von Schülern zu einer landesweiten Protestwelle, bei der mehr als 600 Menschen starben.
Ab 1983 nimmt der internationale Druck solche Ausmaße an, dass die Regierung Reformen einleiten muss: Es tritt eine neue Verfassung in Kraft (Präsidialsystem), Asiaten und Mischlinge erhalten politische Rechte, das Passgesetz und das Verbot der Mischehe werden aufgehoben. Der 1989 als Nachfolger des zurückgetretenen Präsidenten Botha an die Macht gekommene Frederik de Klerk, beugte sich im Februar 1990 schließlich dem Druck von außen und entließ Nelson Mandela aus der Haft – diese Freilassung steht noch heute als Symbol für den Beginn des friedlichen Wandels. Am 10. Mai 1994 gewann Mandela mit 62% die ersten freien und allgemeinen Wahlen und wurde als erster schwarzer Präsident Südafrikas vereidigt. Das Ende der Apartheid bedeutete zugleich den Eintritt in eine demokratische Zukunft, wofür auch die neue Verfassung von 1996 steht. Nach den Präsidentschaftswahlen 1999 trat Thabo Mbeki (ANC) die Nachfolge Mandelas an, seit 2009 regiert Jacob Zuma.